Baschipunk Bali

Sie sind hier: Footprints > Bali Surf

Baschar Al-Frangi

Geboren: 31. Juli 1972
Gestorben: 03. Februar 2011 in Berlin

Bali Surf

Baschar war ein begeisterter Surfer. Er berichtete mir von Surfreisen nach Indonesien und nach Südafrika. Von seiner Balireise schickte er mir sogar eine Postkarte.

Die folgenden Bilder und Texte hat Baschar hier eingestellt.

Bali

Here you'll find a couple of surf pics taken at Changgu Reef and Legian Beach...

...big one...

this pic was taken early morning at Changgu Reef. no wind, glassy waves, only a handfull of surfers in the water. later that day waves became massive. sets of 6 - 9 ft. surprising me off-guard. couldn't duck through nor paddle over with my 8ft tank so i had my laundry day lesson.

got a nice one on my head breaking my nose ripping off the leach losing my board. had to swim back to the shore while receiving proper punishment. instead of finding my 8 footer i found two 4footers ashore...

following shots were taken by my friend Komang, photographer for Magic Wave at Legian, a beachbreak called The Bank

hand in the wave

sideways

small but nice wave

small bottom turn

...another small one...

check my new board: 7 foot fish 22" x 3" single to double concave.

Brief von Baschis griechischer Skate-Connection aus Essen Kettwig

„Lieber Baschar, ich bins der Vagi, Deine griechische Skate-Connection aus Essen Kettwig, wir haben uns in Essen kennengelernt, in der Coast Skate-Halle. Dies ist jetzt schon mindestens 26 Jahre her und davon haben wir uns mindestens die letzten 24 Jahre nicht gesehen. Ich musste immer zwischendurch an Dich denken und habe mich oft gefragt, wie es Dir wohl so geht, was aus Dir geworden ist ;-) ich hatte immer vor Dich zu kontaktieren, mich auf dem  Weg zu machen dich wiederzufinden. Mit einem Schnipp, mit einem Augenzwinkern sind dann 24 Jahre vergangen.

Damals ist aus der Meckenheimer Skate-Clique und den Kettwiger Jungs eine Freundschaft entstanden. Wir haben Euch in Meckenheim besucht und wir durften bei Euch Zuhause übernachten. Ich konnte dadurch Deine herzliche, gastfreundliche Familie kennenlernen und verstehen wie Du so lebst und wer Du bist.

Ich kann mich daran erinnern, dass damals Euer Haus bewacht wurde.
Bevor wir mit unseren Skateboards eintreten durften, wurden wir vor eurer Haustür durchsucht. Ihr hattet damals ständiges Wachpersonal vor der Haustür, es hatte also nichts damit zu tun, dass wir zerlumpte Skateboarder waren, sondern wie ich nachher erst richtig verstanden habe, an der Situation, dass Dein Vater aus der Historie heraus sich für eine Sache eingesetzt hat, welche damals ständigen Schutz bedurfte. 18 Jahre alt war ich, hatte gerade mein erstes Auto, einen alten Toyota Corolla und bin mit einem Teil der Bande von Essen nach Meckenheim gefahren. Ich hatte aber damals schon das Verständnis in welcher Situation sich Palästina befand, welche Rolle Dein Vater eingekommen hatte und welche Rolle Du für Deinen zukünftigen Weg einnehmen könntest. In diesem Moment warst Du einfach mein Skater Freund, den ich gerade dabei war besser kennen zu lernen.

Obwohl uns Deine Eltern vorher noch nie gesehen hatten durften wir bei Euch übernachten. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mit Deinem Vater nach dem Frühstück Schach gespielt habe. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass wir das verschlafene Meckenheim gemeinsam mit unseren Skateboards unsicher gemacht haben und dass wir auf verschiedenen Partys gemeinsam gefeiert haben. Es waren tolle Partys und wir haben richtig gefeiert, und die Freiheit genossen, alles zu tun was uns Spaß macht! Vor allem aber sind wir Skateboard gefahren, dies war unsere große gemeinsame Leidenschaft welche wir bis heute teilen. Ihr hattet selber eine Halfpipe und eine Miniramp aufgebaut.
In der damaligen Zeit war es Luxus für Skater eine Miniramp im eigenen Dorf fahren zu dürfen. Ich kann mich gut an Deinen Skate-Style erinnern, zwischendurch mit Piratentuch ;-)

Durch Zufall habe ich heute einen Artikel über Deinen Vater im Internet gelesen, habe diesen dann gegoogelt und bin dann auf diese Seite gelandet und damit die Erkenntnis, dass wir uns so schnell nicht wiedersehen werden. Mir war es sehr wichtig, Dir noch ein paar Worte zu schreiben, weil ich öfter an unsere schöne Zeit gedacht habe, weil ich Dich nicht vergessen habe, weil ich glaube, dass wir uns noch einmal widersehen ;-) Wir haben uns jetzt 24 Jahre nicht gesehen, ich weiß aber wer Du bist und Du weißt wer ich bin ;-)
 
Für ein gutes Herz ist die Zeit eines Lebens eine warme Umarmung welche Ewig hält.

Hätten wir es geschafft uns vorher zu sehen, dann hätten wir festgestellt, dass wir einen ähnlichen Lebensweg eingeschlagen haben.
Das Skateboarden und unsere Leidenschaft hat uns beide ins Meer getrieben. Ich bin auch sein Surfer geworden, genauso wie Du ;-) Unglaublich, vor allem weil man nicht so einfach ein Surfer, ein Wellenreiter wird. Dies dauert Jahre über Jahre bis man einen Level erreicht hat, welchen Du erreicht hast. Ich habe Deine Bali Surf-Fotos auf dieser Website gesehen und muss sagen, Du machst keine schlechte Figur für Dein Alter. Sieht verdammt gut aus! Ich hätte es geliebt, mit Dir im Wasser zu sein… dies holen wir noch nach..

Dein Surf Board sieht super! 7 foot Fish-Board. Lustig, ich habe auch ein Fish-Board. Habe für mich festgestellt, dass ein Fish klein und wendig ist, viel Spielraum für Experimente bietet aber immer noch so fett Auftrieb hat, dass man damit jeden Line-Up beherrschen kann ;-) Ich habe noch ein persönliches Baschar-Special auf dem Foto erkannt; Du hast einen Sticker „Baschi Punk“ auf das Board gepackt und darüber das Logo „Der Crimson Ghost“ der Band der Misfits. Sehr schön! Ich vermute Du hattest eine Plan für den Brand „Baschi Punk“. Man schnippt sich nicht einfach was zusammen und packt es aufs Board. Dazu passt auch, dass Du die Domain reserviert hast und eine Seite dazu im Internet aufgebaut hast, ein Logo entworfen hast. Du hattest einen langfristigen Plan mit „Baschi Punk“ und die Internet Seite war erst einmal nur der Anfang. Vielleicht die Produktion von Surfboards, eine Surf Schule (vielleicht auch in Palästina, unaufhaltsame Wellen habt Ihr ja genug da), eine Marke für Begleitung, eine Reiseagentur welche Surfer wie Dich an bekannte Surf-Spots der Welt katapultiert. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du etwas geplant hast, welches Deinen modernen Surf-Spirit mit Deinen positiven Lebenserfahrungen verknüpft hätte…eine Punk Band?

The Misfits: http://www.youtube.com/watch?v=aNKtCticq50

Ich habe hier auf der Seite auch gelesen, dass Du in Durban warst.
Unglaublich, ich habe ein handgemachtes Surfboard aus Durban von der Marke „Spider“. Auch hier haben wir eine kleine Gemeinsamkeit. Ich war leider nicht persönlich in Durban wie Du, ich habe mir dieses zuschicken lassen. Du kennst bestimmt diesen Film dazu und bist auch hier vorbeigekommen

Cape St Francis: http://www.youtube.com/watch?v=CrNb1oL-7NM

Ich habe auch gelesen, dass Du in Puetro Escondido warst, Respeeeeeeeeeeeekt!

Diese Welle hier?:  http://www.youtube.com/watch?v=fiaRkE2LbUQ

Ich habe unter Deinem Surfoto folgendes gelesen:
„this pic was taken early morning at Changgu Reef. no wind, glassy waves, only a handfull of surfers in the water. later that day waves became massive. sets of 6 - 9 ft. surprising me off-guard. couldn't duck through nor paddle over with my 8ft tank so i had my laundry day lesson. got a nice one on my head breaking my nose ripping off the leach losing my board. had to swim back to the shore while receiving proper punishment. instead of finding my 8 footer i found two 4footers ashore...“

Ich hab mich mal eben schlapp gelacht und verstehe sehr gut was Du sagst ;-)

Dein Spot und Deine Welle:
„North of Kuta and usually a bit bigger are the intermediate-friendly peaks at Canggu. The black sand moves around the reef a bit and sets do shift around, keeping the inevitable dawn crowd on their toes. The inside reef is tricky at low and high tide cuts off the beach in places so mid tide is often best, especially on the lefts. There are 3 main breaks at Canggu but there are also a few more options in the area easily accessible from Canggu. or a short drive north / south. On small days in the waist to head high range there are waves to suit every one. But as it reaches the head to double head high the right hander at the river mouth turns on and can really pack some punch!“

Hier: http://de.magicseaweed.com/Canggu-Surf-Guide/935/

Ich war nicht dabei aber ich kann mir gut vorstellen wie es war: Es war ein wundervoller warmer Tag, sehr früh am Morgen, 5:45 Uhr. In der Regel, wenn die Wellen gut sind dann ist man nie allein im Wasser, im Line-Up, egal wie früh man aufsteht. Man muss um seine Welle kämpfen und sich auch gegenüber anderen Surfern durchsetzen, an diesem Tage war es aber nicht zu voll im Wasser. Eine Welle ist nur für einen Surfer, auch wenn 30 Surfer im Wasser sitzen kann nur einer diese eine Welle reiten. Der frühe Vogel fängt den Wurm und der einzige Moment im Leben, wo man gerne früh morgens aufsteht ist, wenn man surfen geht.
Du warst sehr früh im Wasser, bist so früh aufgestanden, dass es draußen noch fast dunkel war. Die Sonne ist noch gar nicht richtig aufgegangen. Vielleicht hattest Du, bevor du zum Strand gelaufen bist, noch kurz Zeit einen schnellen Kaffee zu trinken aber dazu hat man nicht immer die Zeit, da die Aufregung sich in der tosende Brandung zu schmeißen einen oft nicht die Ruhe lässt. Das schöne ist, man muss nicht großartig Equipment mitnehmen. man zieht sich seine Boardshort an, seine FlipFlops, schnappt sich sein Board und auf gehts.

Das Board ist dabei Deine Geheimwaffe, Dein Lebensretter, Dein einziger Freund in einer anderen Welt. Ultra leicht, 3 kg vielleicht.
Ultra hart, falls man das Biest vor den Kopf bekommt, dann kann man mehr als nur das Bewusstsein im offenen Meer verlieren. Die Finnen am Surfboard sorgen dafür dass Du eine hohe Geschwindigkeit aufnehmen kannst und im Stehen die Kontrolle auf der Welle behältst, wie beim Skateboard fahren. Die Finnen zerschneiden nicht nur das Wasser und die Welle, sondern wenn man unglücklich fällt oder mit einem anderen Surfer kollidiert, dann zerschneiden die Finnen das eigene Fleisch wie ein heißes Messer die Butter - wie ein scharfes Schwert mit einer schnellen und präzisen Technik tiefe Wunden verursachen kann. Man macht sich eben immer so seine Gedanken wenn man sich durch die Brandung kämpft oder auf dem Weg zum Stand ist.

An diesem Tag hattest Du einen 8 foot Surfboard dabei, 2,4 Meter lang und recht dick. Dies war nicht Dein kleines wendiges Fish-Board, Du hast an diesem Tage kleinere Wellen erwartet. Vielleicht hattest Du am Tag vorher kleinere Wellen, so dass Du davon ausgegangen bist, dass diese weiterhin klein bleiben. Also, Du hattest einen Tanker mit und kein Schnellboot ;-) Was für ein schöner Moment. Man kommt an den Strand und schaut auf glassy Wellen! Ganz glattes Wasser, kein Wind, die Sonne geht sehr langsam auf, der Himmel färbt sich leicht rot, ein unglaubliches Licht umschließt die Landschaft, die Wellen spiegeln sich, das Meer spiegelt sich. An Deinem ersten Bali Foto kann man sehr gut erkennen wie vor und hinter der Welle das Meer glatt ist - man kann sehen, wie Deine Haut leicht rot glänzt durch die gerade aufgehende Sonnen.

Das Meer ist glatt, ein glänzender See und nur an einer Stelle, an dem Reef, bäumen sich die Wellen auf. Die Welle welche tausende von Kilometern unter dem Meer gelaufen ist, um am Strand für immer auszulaufen, um im letzten Moment des Aufbäumens Ihre wahre Größe, Geschmeidigkeit, Geschwindigkeit und Kraft zu zeigen. Nun stehst Du da am Strand, schaust aufs Meer und fühlst das Meer:

Ist es Schicksal, dass diese eine weitgereiste Welle, in diesem einen Moment des Lebens nur für Dich bestimmt ist?

Wirst Du es heute schaffen auch noch in diesem kurzen Moment am richtigen Punkt auf der Welt zu sein? Du weißt genau, es ist eine Sache die Wellen zu sehen und eine andere Sache am richtigen Punkt zu sein, um diese einzufangen.

Wirst Du heute derjenige sein, der es schafft das Biest zu bedingen und zu reiten?
 
Werden Dich die Wellen heute zerschmettern und wenn alles gut geht wieder an Land ausspucken?

Ist es Deine Motivation, Deine Leidenschaft, Hingabe, Dein Respekt, Dein Geist und Deine Technik, welche diesen einen magischen Moment im Universum einfängt, festhält und mit dieser kosmischen Kraft ein paar hundert Meter den gleichen Weg geht?

Ist es die Natur, welche Dich in diesem Moment einfach nur umarmt und sich denkt; Du bist ein cooler Typ, hast ein gutes Herz, warst immer gut zu mir, die nächste Welle wird Deine sein… ich werde dafür sorgen, dass die nächste Welle Deine ist? Ich mag Dich.

Werden meine Träume heute in Erfüllung gehen? Noch einmal tief Luft holen und dann ab ins Wasser.

Du bist heute nicht alleine am Strand, ein Fotograf ist in der Deiner Nähe. Es ist so verdammt schwer ein Foto von einem Surfer auf der Welle zu schießen. Es war ein guter Fotograf. Er hat Dich nicht im Wasser verloren, er hat Dich ständig beobachtet und die ganze Zeit geduldig darauf gewartet, dass Du eine Welle bekommst. Er hat es tatsächlich geschafft ein Foto von Dir zu schießen und Er hat im richtigen Moment abgedrückt. Ihr habt Euch bestimmt beide den Arsch abgefreut, dass so ein schönes Foto entstanden ist! Ihr habt Euch auf die Schulter gehauen und ordentlich abgefeiert. Du konntest kaum abwarten das Foto zu sehen, es digital in den Händen zu halten, um es direkt an Deine Freunde zu senden ;-) Yeah, well done Dude!

Bei 28 Grad Luft- und Wassertemperatur, da ist der frühe Morgen neben dem Sonnenuntergang die schönste Zeit am Tage. Die Sonne geht nicht direkt vor Dir auf und Sie blendet Dich nicht, wenn Du ins Wasser gehst. Die Leash hast Du noch an Deinem Fußgelenk befestigt. Es ist wahrscheinlich der einzige Moment am Tage, wenn Du ins Wasser steigst, dass Du eine leichte Erfrischung spürst. Je nachdem wie die Strömung ist, kann es sein, dass das Wasser leicht kühl ist. Dies wird sich schnell ändern ;-) Mit dem Bauch auf dem Board wird die Paddelmaschine eingeschaltet. Der Blick Richtung Line-Up kämpfst Du Dich durch die Brandung. Wo ist der Punkt wo die Wellen sich gerade aufbäumen, um diese zu erwischen? Sind viele Surfer im Wasser, sind gute Surfer im Wasser, wo ist meine beste Position? Vorsicht… Welle….tauchen…Duck-Dive, vielleicht besser nicht mit diesem Board, zu groß ;-) Board drehen, drunter tauchen, Board mit beiden Händen unter Wasser festhalten und nicht loslassen, die Welle drüber laufen lassen und weiter geht’s. Paddel Richtung Line-Up. Auf die Strömung achten, dass man nicht hunderte von Metern abgetrieben wird, sogar aufs Meer hinausgezogen wird. Geschafft! Du sitzt jetzt auf Deinen Board und checkst erst einmal die Lage. 150 Meter vom Strand entfernt suchst Du an Land 2 bis 3 fixe Punkte, um Deine Position gegenüber der Strömung am gleichen Punkt zu halten. Du musst zwischendurch immer wieder Deine Position korrigieren…..paddeln, paddeln, paddeln.
Du sitzt auf deinem Board und schaust aufs Land. Was für ein traumhafter Blick, vom Wasser aus auf die Küste gucken zu dürfen. Du siehst weitläufig die Landschaft, die Hügel, den Himmel, den Strand.
Ohne die anbrausenden Wellen aus den Augen zu verlieren denkst Du Dir ein kurzen Moment; was für ein schönes Leben, was für eine traumhafte Natur, wie kann ich nur so viel Glück teilen, dass auch andere dieses Glück spüren und verstehen, dass das Leben dafür da ist um glücklich zu sein ;-)

Immer wieder der Blick Richtung offenes Meer, kommt eine Welle?
Manchmal geht es schnell und direkt hinter Dir bäumt sich ein Berg auf und droht über Dir zu brechen. Die Surfer im in Deiner Nähe grüßen nett. Manchmal nur mit den Augen, oft entsteht eine Unterhaltung. Nach ein paar Tagen am gleichen Strand erkennt man schnell die üblichen Verdächtigen. Man wird erkannt und man wird respektiert. So entstehen Freundschaften ;-) Der Kampf um die Welle, die Umarmung der Natur und die Verbundenheit die gleichen Momente im Leben teilen zu dürfen schweißt zusammen. Nationalitäten verschwinden, der Mensch zählt, Freundschaften entstehen nur durch die Sprache des Körpers und durch ein Lächeln welches das Herz berührt. Du musst schnell ausweichen, schnell paddeln, ein Surfer hat eine Welle genommen, Er kommt mit einer hohen Geschwindigkeit auf Dich zu, die Welle hinter Ihm. Ja nicht zusammenstoßen, hätte den gleichen Effekt als wenn man vor den Zug springt… ich passe auf und erkenne, dass der Surfer auf der Welle mich gesehen hat, er könnte ausweichen. Ich konnte ausweichen, bin aus der Gefahrenzone und in diesem Moment schießt der Surfer auf der Haus-Hohen Welle an mit vorbei. Er lächelt mich mit seinem alles überstrahlenden Lächeln an, Er nimmt mich in dieser Sekunde mit auf die Reise, ich spüre seine Energie und die Energie der Welle, welche Ihn mit Lichtgeschwindigkeit Richtung Strand katapultiert. Du weißt genau, dieses Lächeln wirst Du für Monate, vielleicht sogar Jahre nicht vergessen und der Surfer weiß, dass Du seine Welle gesehen hast!
So entstehen echte Freundschaften.

Im Line-Up hinter den brechenden Wellen und hinter der Brandung ist es still. Du hörst nicht mehr wie die Wellen am Strand zerbersten. Am Strand spürt man wie kleine Erdbeben entstehen durch die Masse Ihres Aufschlagens. Hier draußen auf dem offenen Meer hinter der Brandung könntest Du praktisch flüstern, die Surfer würden Dich hören, so still ist es. Eine angenehme, friedliche und beruhigende Stille.

Ein Surfer nach dem anderen nimmt eine Welle und düst Richtung Strand.
Manchmal mit einem Gejohle. Du bist jetzt am richtigen Punkt, Du bist jetzt an der Reihe. Bis die Surfer wieder zurückpaddeln vergeht genug Zeit. Damit hast Du jetzt alle Zeit der Welt, es ist Dein Moment und die nächste Welle ist nur für Dich. Auf einmal muss alles schnell gehen! Du hast jetzt nicht einmal mehr Zeit, um aufgeregt zu sein. Du siehst wie sich die Welle aufbäumt und mit einer hohen Geschwindigkeit in Deine Richtung kommt und immer größer wird. Wenn man mit dem Bauch auf dem Board liegt und eine Welle anpaddelt, dann ist so eine Kopf-Hohe Welle so hoch wie ein Haus. Du drehst Dein Brett Richtung Strand und fängst an zu paddeln als wenn Du einen Weltrekord brechen müsstest im 100 Meter Lauf bei den Olympischen Spielen. Du musst die Geschwindigkeit der Welle erreichen, um mitgenommen zu werden. Die Arme werden beim anpaddeln tief ins Meer getaucht, es entsteht ein hoher Druck hinter Dir und hinter deinem Board, Du spürst diesen Druck am ganzen Körper, wie eine Druckwelle einer Explosion. In dieser Sekunde wird sich entscheiden ob die Druckwelle einfach nur an Dir vorbeiläuft, weil Du nicht schnell genug warst oder ob die Welle über Deinen Kopf bricht, Dich zerschmettert und Dich tief unter Wasser taucht, weil Du nicht richtig positioniert warst.

Alles gut, Du kommst ins gleiten, die Welle nimmt Dich mit, alles ist perfekt. Noch auf dem Bauch liegend düst Du Richtung Strand,  Die Welle bricht nach Rechts, bevor Du aufstehst schaust doch kurz nach links auf das brechende Monster und entgegen allen physikalischen Gesetzen bleibt die Welt jetzt stehen. Da man die gleiche Geschwindigkeit wie die Welle erreicht hat, ist es so als wenn jemand einen Film auf Pause gedrückt hat, als wenn zwei Autos mit hoher Geschwindelt nebeneinander fahren, scheint es als wenn diese sich nicht bewegen würden, stehen würden. Der Körper liegend auf dem Brett, auf einem steilen Berg und nichts bewegt sich, den endlosen Abgrund mit dem Gesicht nach vorne vor Augen. Stürze ich in die unendliche Tiefe? Passt, die offenen Hände vorne fest aufs Board gepresst springst Du mit einer geschmeidigen schnellen Bewegung aufs Board.
Beide Füße landen gleichzeitig auf dem Board. Dein Körper ist frei, nur die Fußsohlen und die Zehen berühren zärtlich das Board. In diesem Moment und dies kann man auf den Fotos nicht sehen, bekommst Du so eine hohe Geschwindigkeit, dass sich Dein Geist, Deine Seele von Deinem Körper trennt. Dein Geist düst parallel neben Deinem Körper auf der Welle Richtung Stand. Dein Geist beobachtet mit Lichtgeschwindigkeit, wie sich Dein Körper auf dem Board mit der Welle verhält. Alles was jetzt kommt hast Du über Jahre gelernt, jedesmal etwas mehr. Dein Körper agiert intuitiv und aus der Summe der Erinnerung / Erfahrungen heraus wird Deine Technik in eine Kunst verwandelt, mit welcher man blitzschnell und reflexartig in der Lage ist das Universum mit seinen Gedanken zu bewegen. So viele berühmte Philosophen haben über Jahrhunderte hinaus versucht zu beschreiben und zu verstehen wie sich die Trennung zwischen Körper und Geist verhält.
Ein Wellenreiter kennt das Verhältnis und die Beziehung zwischen Körper und Geist. Die Welle auf dem Foto ist über Kopf-Hoch. Dies ist schon eine sehr große Welle!

Stoked! Diese Welle wird Dich ein Leben lang begleiten, motivieren und glücklich machen. Sie erscheint in Deinen Träumen, wann immer Du willst.

Baschar, an diesem Tag wurdest Du von Mutter Natur belohnt. Du hast ein paar  tolle, unvergessliche Wellen erwischt, dies wurde auch noch fotografiert. Warst an einem Höhepunkt Deines Lebens, konntest mit Deinen Händen die Wolken streicheln und den Himmel berühren, mit deiner Kraft die Sterne bewegen, mit deinem Körper fliegen, mit Deinem Herzen Liebe fühlen und mit Deinem Geist die Unendlichkeit bereisen, ewig leben!

…………………………………………………….………und ein paar Minuten / Stunden später hat Dich Mutter Natur am gleichen Tag wieder zurückgeholt, hat Dich zu einer kleinen Maus gemacht, Dir gezeigt, dass Du nur ein winziger, kleiner und zerbrechlicher Teil von einem Ganzen bist, dem Leben.

Wie Du soooo schöööön schreibst: “waves became massive. sets of 6 - 9 ft. surprising me off-guard. couldn't duck through nor paddle over with my 8ft tank so i had my laundry day lesson. got a nice one on my head breaking my nose ripping off the leach losing my board. had to swim back to the shore while receiving proper punishment. instead of finding my 8 footer i found two 4footers ashore...“

Die Wellen sind auf einmal viel größer geworden, dies passiert schon mal, der Swell kann sich innerhalb von Sekunden ändern. Aus Häusern wurden dann eben mal Hochhäuser und dies hat Dich überrascht. Die immer größer werdenden Wellen haben Dich nicht auf dem falschen Fuß erwischt sondern Sie haben Dich mit dem falschen Board erwischt ;-) !
Kann ich verstehen, nach einer tollen Session würde in so einer Situation auch nicht Nachhause laufen und mir ein anderes, kleineres Board holen. Kann mir so richtig die Situation vorstellen, hängengeblieben in der Inside, gefangen in der Impact-Zone. Die Wellen krachen über Deinen Kopf, du würdest gerne drunter her tauchen aber Dein Board ist zu groß und hat zu viel Auftrieb, Du kannst es nicht festhalten, keiner könnte es festhalten! Ein Berg mit seiner gesamten Masse kracht auf Dich und drückt Dich Unterwasser, ein Meter tief, zwei drei, vier Meter? Es ist nicht nur ein drücken, es ist wie in einer Waschmaschine ein wirbeln, keine Ahnung wo oben oder unten ist, keine Ahnung wo Luft ist. Irgendwann fast man sich ans Fußgelenk und schnappt sich die Leash welche mit Board verbunden ist. Das Board schwimmt immer oben, der Lebensretter. Man zieht sich dann an der Leash hoch als wenn man ein Seil hochklettern will. Man erkennt jetzt wo oben ist, schwimmt und zieht sich nach oben, sieht Licht und denkt sich in diesem Moment; so langsam könnte ich jetzt etwas Atem-Luft gebrauchen… hmmmmm…man schießt mit dem Kopf aus dem Wasser, die Lungen zerreißen sich nach Luft, holt tief Luft, ist entkräftet und denkt, brauche jetzt mehr Zeit. Die Augen noch verklebt tastet man schwimmend nach dem Board, um sich daran festzuhalten, um oben an der Luft zu bleiben und in diesem Moment erkennt man, dass direkt vor einem gerade die nächste Welle auf einen stürz. Habe ich mir jetzt durch die Masse und die Wucht des Wassers etwas gebrochen, habe ich mich geschnitten, keine Zeit. Man schützt in der Waschmaschine unter Wasser seinen Kopf und hofft nicht irgendwo gegen zu donnern. Hofft, das beim nächsten auftauchen noch genug Zeit zwischen den Wellen ist, um Luft zu holen.
Dies kann sich ein paarmal wiederholen, bis man dann das Board greift und Richtung Strand paddelt, um aus der Gefahrenzone zu kommen.  Die Kraft der einschlagenden Wellen war so groß, dass es Dir die Leash vom Fuß gerissen hat. Dein Board wurde Dir mit Gewalt genommen. Das Meer hat die Spielregeln verändert. Jetzt wird es ernst, die Wellen drücken Dich Meter unter Wasser und dieses mal gibt es keine Rettungsleine. Du bist alleine, Du kannst Dich Unterwasser nicht an der Leach hochziehen weil Du dein Brett verloren hast. Jetzt hat man keine Orientierung und muss nach oben schwimmen. Herrlichen Glückwunsch, viel schlimmer geht es nicht mehr. Doch………………….man schafft es noch nach oben zu schwimmen und erkennt, dass man abgetrieben worden ist, schon 200 Meter vom Strand entfernt in einer tosenden Brandung, mit einer ordentlichen Strömung und weiterhin diese Berge die einen verschlingen wollen.
Doch, es geht noch schlimmer….verdammt Ja, ich habe es verstanden.
Jetzt hilft nur noch schwimmen, ohne nachzulassen! Reicht die Kraft oder werde ich ein paar Kilometer auf das offene Meer getrieben und kann den Fischen Gesellschaft leisten? In Frankreich an der Atlantikküste gibt es für solche Fälle Hubschrauber, welche einen im offenen Meer suchen und versuchen retten aber auf Bali??? Du hast es geschafft! Kann mir so richtig gut vorstellen, wie Du wie Robinso Cruso das erste mal Land unter Deinen Füssen spürst und wie ein durchnässtes und durchgeschütteltes kleines Hündchen auf allen vieren an Strand wankst ;-) In solchen Momenten küsst man schon mal den Sand unter seinen Füßen ;-) Dies mit Board kann passieren. Es ist immer traurig wenn das eigene Board in zwei Teile an den Strand gespült wird. Alles in Allem war es ein traumhafter Tag, der über das Leben hinaus unvergesslich blieben wird  ;-) Heute Abend gibt es viel zu erzählen ;-)

Lieber Baschar, an dem Ort an den wir uns wiedersehen gibt es genug Wellen und genug Strände, so dass wir uns solche Geschichten neu und in aller Ruhe erzählen können..

Dein Vagi
18. April 2013“

© Peloton Informationstechnologie GmbH